Freitag, 13. Juli 2012

Freitags-Buchtipp

Die Bibliophilin rief vor einiger Zeit nach Gastrezensenten für einige ausgewählte Bücher. Ich bewarb mich für "Gloria", einen Papstkrimi und habe tatsächlich das Buch zugeschickt bekommen.

Ich gebe zu, unter normalen Umständen hätte ich diesen Krimi wohl eher nicht gelesen, aber jetzt würde ich es bereuen!


Da ich ja keine Buchseite knicke oder Notizen hineinschreibe, sehen meine Zitatmarkierungen so aus:



Wir sind Papst!
„Gloria“ von Johanna Alba und Jan Chorin

Der Papst ist ein viel beschäftigter Mann, denn „… er besuchte Sonntagsgottesdienste und Rosenkranzgebete in den Gemeinden der Stadt, kümmerte sich um zerfallene Kirchen und verwahrloste Jugendliche, taufte Kinder und erklärte den Pfarrern, wie sie ihre Herde beisammen halten konnten.“

Aber was macht ein Papst eigentlich, wenn er sich nicht gerade um Gottesangelegenheiten kümmert? Welche  Interessen hegt er neben seiner Berufung als oberster Gottesdiener? Hat er Hobbies, die seine kostbare Freizeit gestalten? Mit wem verbringt er diese Freizeit?
Johanna Alba und Jan Chorin gewähren einen Einblick in den Vatikan, in dem Papst Petrus II das Sagen hat. Oder ist das doch eher seine Haushälterin Immaculata, erste und letzte Instanz im Vatikan? Die Nonne stößt zusammen mit Francesco, dem Privatsekretär des Papstes, beim Frühjahrsputz auf eine kleine Kiste mit Knochen. Mit alten Knochen. Mit solch alten Knochen, dass es die Gebeine des heiligen Petrus sein könnten. In dem Kästchen befindet sich ein Zettel mit der Inschrift:

„Geborgen in den Nekropolen des Vatikans zum Osterfest 1949. Nicht reif ist die Welt für diesen Fund. Verborgen sei  er, bis Gott ihn der Menschheit schenkt.“

Genau dies möchte der Papst nun bei der Karfreitagsprozession tun. Er präsentiert der Öffentlichkeit die Reliquien des heiligen Petrus. Doch dann fällt ein Schuss, eine Frau fällt in einen Abgrund und der heilige Schädel wird durch eine Fälschung ersetzt.
Die Aufklärungen kann der Papst natürlich nicht allein der Polizei überlassen. Er ruft seine engsten Mitarbeiter zusammen und ermittelt auf eigene Faust.

„Ich fahre“, sagte Petrus. „Wie bitte?“ Entsetzt starrte Gulia (Pressesprecherin des Papstes) auf ihren Fiat 500. „Nichts darf ich mehr, seit ich Papst bin. Ich darf nicht mehr ohne Begleitung aus dem Haus. Ich darf nicht mehr in Badehose an den Strand. Ich darf nicht mehr ins Fußballstadion. Und wenn ich ohne Aufsehen in die Stadt will, muss ich mich verkleiden und eine Sonnenbrille aufsetzen.“    Er hupte einen Bus von der linken Fahrspur, wechselte auf die Via Cavour und kurz darauf scharf rechts auf die Via die Fori Imperiali. „Beim Autofahren konnte ich immer hervorragend nachdenken“, sagte Petrus.

Wie die Petrusgemeinschaft erfolgreich als Detektive arbeitet, was Reliquien für eine Bedeutung haben, warum die englische Königin, ihre Nationalelf und die anstehende WM eine wichtige Rolle spielt, wird in diesem Vatikan-Krimi mit wunderbaren, humorvollen und spannenden Worten beschrieben. Die beiden Autoren verleihen dem lebenslustigen und stets gut gelaunten Papst eine sympathische Aura mit einer legendären Spürnase.

Neben der Heiligen Jungfrau war Mamma Roma das wichtigste weibliche Wesen in seinem Leben, immer bereit, ihren Sohn zu trösten und ihm, wichtiger noch, ein gutes Abendessen zu bereiten. Zur Freude des Papstes hatte sie überall in der Stadt für Trattorien und Ristorantes, Enoteken, Pizzerien und Bäckereien gesorgt, nicht viel anders als die Heilige Jungfrau, die sich genauso eifrig um eine große Zahl von Marienkirchen und Marienkapellen gekümmert hatte.
Obwohl „Gloria“ der zweite Teil nach „Halleluja“ ist, liest sich das Buch wunderbar auch ohne jegliche Vorkenntnisse über die jeweiligen Charaktere und vorangegangenen Geschehnisse.

Man muss nicht gläubig sein, um dieses Buch zu lesen. Man wird auch nicht bekehrt, wenn man dieses Buch liest. Man bekommt aber Lust, nach Rom zu reisen und Ausschau zu halten. Ausschau zu halten nach einem schnellen Auto oder einer schnellen Vespa und nach den vielen kleinen köstlichen Verlockungen an den Straßenecken.

Hier könnt ihr auch noch den Beitrag bei der Bibliophilin sehen. Ich habe mir mitlerweile noch den ersten Teil geholt und stecke nun mit meiner eigenen Spürnase mittendrin.

Fazit: sehr lesenwert.
Liebe Grüße und einen guten Start ins Wochenende.
Meli
  

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