Mittwoch, 8. Februar 2012

Milas Wanderbuch


Am strahlend blauen Himmel werden ein paar weiße Schäfchenwolken vom Wind gen Osten getrieben. Es ist gespenstig ruhig. Kein Vogelgezwitscher ist zu hören. Die wenigen Menschen auf den Straßen laufen schnell. Sie sind auf dem Weg nach Hause oder in eine andere sichere Herberge. Sie flüchten. Sie flüchten vor der eisigen Kälte. Es ist Februar und der Winter hat Deutschland erfasst.

Ich bin ebenfalls auf dem Weg nach Hause und biege gerade in meine Straße ein, als ich ihn sehe. Er verlässt eben den Hauseingang und steuert auf sein Fahrzeug zu. Nein, bitte nicht. Ich habe schon die ganzen Tage sehnsüchtig und voller Vorfreude darauf gewartet. Und nun? Nimmt er es wieder mit oder hat er es doch beim Nachbarn abgegeben? Die Frage bohrt sich in meinen Kopf und ich versuche schneller zu laufen, doch ich habe das Gefühl, überhaupt nicht vorwärts zu kommen. 'Warte doch!', rufe ich ihm in Gedanken zu, doch selbst wenn ich es laut rufen würde, er würde mich nicht hören. Er ist schon zu weit weg. Warum tragen mich meine Füße so langsam, warum kommt der Hauseingang überhaupt nicht näher? Los, lauf schneller!

Es dauert gefühlte Stunden, bis ich endlich den Briefkasten erreiche. Ich krame in meiner Tasche. Wo ist nur mein Schlüssel? Wer hat nur so große Handtaschen erfunden, in den man nichts finden kann? Warum schmeiße ich meinen Schlüssel auch immer in diese große finstere Tiefe? Jeden Tag das gleiche Gewühle und ich lerne einfach nichts daraus. Ich ertaste etwas hartes und kaltes. Endlich, da ist er! Die nächste Frage hämmert in meinem Schädel. Hat der gelbe Mann es in den Briefkasten gestopft oder doch vielleicht liebevoll beim Nachbarn abgegeben? Im Briefkasten liegt ein Zettel! Puh, zum Glück! Ich klingele bei meiner Nachbarin und sie überreicht mir das kleine Päckchen. Der Absender wohnt in Wien!

'Oh man, du armes Ding! So ein langer Weg bei dieser eisigen Kälte! Komm, ich packe dich warm ein und lege dich in die Nähe der Heizung, dann kannst du erst einmal auftauen. Bei mir wirst du es gut haben, ich werde gut für dich sorgen. Wärm dich auf, stärke dich, bevor es in einer Woche wieder auf die Reise geht. Wohin es dann geht, fragst du? Keine Ahnung, das wird sich erst in den nächsten Tagen entscheiden! Da musst du noch ein bisschen Geduld haben und dich überraschen lassen!'

Herzlich Willkommen, kleines Wanderbuch!


Mila Lippke hat ihr neues Buch "Morgen bist du noch da" auf die Reise geschickt und ich freue mich riesig, als zweite Person dem Buch ein Ein-Wochen-Zuhause bieten zu können. Wer auch ein Teil der Wanderbuchgeschichte sein möchte und einen Blog hat, kann hier einen Kommentar hinterlassen. Alle weiteren Regeln könnt ihr hier nachlesen.

Liebe Grüße
Meli
 

Kommentare:

  1. Oooh, ich hätte es so gerne auch ein paar Tage bei mir in Berlin, das Buch *~*

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  2. Das hast du schön geschrieben!

    liebe Grüße aus Wien,
    Judith

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  3. Ob das Buch wohl eine Reise zu mir in die verschneite Schweiz machen darf? Ich würde mich sehr freuen, Milas Roman eine Woche bei mir zu beherbergen.

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  4. Das ist ja wirklich nett geschrieben, viel Spaß beim lesen!

    Grüße aus dem sonnigen Köln

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